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DIVA MAGAZINE

APRIL 2001

Mehr als Meer

Eine Kulisse wie aus einem Holywoodfilm : Reisfelder, uppige Parkanlagen, einsame Strande und ein zur Legende gewordener Österreicher gehören auf Bali und Lombok genauso zum Urlaub wie Kokosnüsse und trditionelle Wellness – Rituale.

Beim Anblick der sattgrünen Reisfelder bleibt einem die Luft weg und man möchte nie wieder woanders einatmen.

Wenn er auf seiner Insel durch die Dörfer fährt, greät die sonst eher stoische Landbevölkerung in Aufruhr. Wild fremde Menschen grüßen und winken ihm freundlich zu. Ein Österreicher, der inst auszog, um vor den Auswüchsen der österreichischen justizzu flüchten, hat hier seine zweite Heimat gefunden. Seine ungeheure Popularität verdankt der glatzköpfige Globe trotter einer nahezu 120 jahre alten Zeichentrickfigur, der er bis aufs nicht vorhandene Haar gleicht, die seit zehn Jahren zu den Unterhaltungshits des indonesischen Fernsehens gehört und Werner Ploner den Spitznamen ,, Pak Raden“ einbrachte. Beliebt gemacht hat sich Ploner aber auch als Vertreter eines österreichischen Reiseveranstalters, indemer 21 balinesischen Mitarbeitern alte VW – kübelwagen schenkte, die in einer Kolonne vom Süden aus Zu einer Sightseeing – Tour nach Zentral bali aufbrechen. Mit auf den Weg nehmen sie das Privileg, als einzige Gruppe motorisiert bis an den Rand des 1.800 Meter hohen Batur- Vulkankraters Zu fahren. Ein Erlebnis, für das man zwar wirklich zeitig aus den Federn muss, aber durch ein Naturwunder und einen wilden Ritt über Lavafelder entschadig wird.

Mal was anderes. Obwohl die Bilder des Schweden Richard Winkler bis zu 15.000 Dollar erzielen, lebt er in einem einfachen Haus in Ubud. Unabhängig und fern jeder Hektik.

Für seine Großzügigkeit wurde ploner übrigens von höchster Stelle zum berühmten Templefest eingeladen, wo er neben dem Polzeipräsidenten und dem obersten Priester von Bali in weißer unterwäsche auftreten musste, um dann standes – und landesgemäß eingekleidet zu werden. Zuletztprangte der frisch gebackene Ehrenbürger sogar auf einer 1.000 – Rupiah – Sonderbriefmarke. Heuer wird der ehemalige Regisseur und Schauspieler übrigens von Filmemacher Peter Patzak als Film – Hoteldirektor engagiert.

Wer das Glück hat, diesen sympathischen Mann im Urlaub zu begegnen, wird mit Garantie in wenigen Stunden mehr über Bali und seine Nachbarinsel Lombok erfahren als durch einen fundierten Reiseführer. Auch wenn ein gebundenes Vademecum auf keinen fall schadet, um die vielen Sehenswürdigkeiten, die Indonesien hier zu bieten hat, unter einen Hut zu bringen. Ein Fixpunkt ist die Stadt Ubud. 10.000 Einwohner wohnen hier weit weg vom Meer, und Touristen werden keinen Sandstrand finden. Dafür umso mehr kunst, denn hier bildete sich in den 30er-Jahren eine Enklave von Intellektuellen und künstlern. Der deutsche Künstler Walter Spies, dessen wenige Werke heute ein vermögen wert sind, und der Holländer Rudolf Bonnet gründeten im Zentrum die Malerschule Pitha Maha. Die amerikanische Ethnologin Margaret Mead führte in Ubud Feldforschungen durch und Vicki Baum wurde hier zu ihrem Buch, Liebe und Tod auf Bali“ in spiriert. Trotz aller Kommerzialisierung mit vielen schlechten Kopien und einer Menge Ramschauf der Monkey Forest Road, dem Touristenpfad Ubuds, spürt man doch immer noch die besondere schöpferische Atmosphäre dieses Ortes. Die Privatsammlung von Suteja Neka in Campuhan bietet einen guten Überblick uber die Geschichte der balinesischen Malerei und die werke ausländischer Künstler, die hier oft einen Großteil ihres Lebens verbracht haben. Einer der jungen Generation, die sich diese reizvolle Gegend als Quelle der kreativität ausgesucht haben, ist der 31 jährige Schwede Richard Winkler. Obwohl seine phantasievollen Gemälde auf diversen Ausstellungen Preise bis zu 15.000 Dollar erzielen, lebt er mit siner einheimischen Frau seit vier Jahren in einem not dürftig adaptierten Haus etwas außerhalb der Stadt. Nicht luxuriös, aber jedenfalls besser als die trostlosen Wintermonate seiner Heimat.

Winklers Ölbilder ähneln jenen des Art-Deco-Malers Miguel Covarrubias, und es wäre sicher keine Überraschung, wenn sie in wenigen Jahren auch international Furore machen. Einige der farbprächtigen Phantasiegermälde hängen immerhin international verteilt in privaten Wohnzimmern. Auf der kleinen Terrasse vor Winklers Haus, inhaliert man, mit einerTassetee, wieder dieses links beschriebene Flair vergangener Zeiten. Damals, als die Insel kein Urlaubsparadies war und noch von echten Aussteigern besiedelt wurde. Man begreift, wieso Winkler diese Einsamkeit liebt, und beneidet ihn um seine Unabhängigkeit und Losgelöstheit von jeglicher Hektik, die einen schon ein paar Kilometer weiter südlich wieder eingeholt hat. Aber so schnell muss man ja nicht zurück in den touristischen Ameisenhaufen, wo sich rund um die Sündenmeile Kuta ein reges Geschäftzentrum entwickelt hat. Bevor man dort nach den begehrten Surfer-T-Shirts und Designerschuhen gräbt, empfiehlt sich noch ein schneller Besuch im Schönheitssalon von Ibu Nur Wer sich auf Bali kein einziges Mal in die Hände erfahrener Masseure oder kosmetiker begibt, hat närnlich wirklich etwas versäumt. Gegen die traditionelle javanische Schönheitspflege nehmen sich herkömmliche Cremes wie Placebos aus : Auf das Peeling mit Gewürzen samt Massage und das anschließende Blütenbad schwören Nurs Klienten, die allein wegen diesem traditionellen Jungbrunnen regelmäßig nach Ubud zurückkehren. Wellness wird auf Bali wirklich groß geschrieben.

Die meisten Hotels sind Spas, wo man wie aus einer Menükarte und nach Lust und Laune unter zahlreichen Möglichkeiten der Entspannung wählen kann. Im Matahari Beach Resort, das etwas entlegen im Norden der Insel zu finden ist, kann man sich dern Verwöhntwerden erst gar nicht entziehen. Im Wasserpalast der Göttin Parwathi praktizieren einheimische Frauen Schönheitsrituale, die Haut und Seele gleichermaßen schmeicheln. Hier wird nicht einfach nur geknetet und massiert, hier wird ganzheitliche Harmonie angestrebt. Die Sukha-Massage ist ganz auf Loslassen eingestellt, öffnet die Energiezentren des Körpers und entspannt den Geist durch sanfte Berührungen. Rubbelkuren mit Reisschrot. Kokosnuss und Mungobohnenpuder reinigen die Oberfläche, kühlende Körperpackungen mit Honing, Kräutern und sinnlichen Ölen versetzen in einen wunderbaren Trancezustand. Das Nirwana auf Erden, hier muss es einfach sein. In einer Schale mit Limonenscheiben werden die Füße anschließend gewaschen und die Reste von Kräutern, Heilerde und Öl abgespült. Die Teezeremonie im Wasserpavillon ist Abschluss eines Ausfluges ins Paradies, langsam kehrt man in die Realität zurück und ist bereit für weitere sinnliche Genüsse. Was liegt hier näher, als an den ganz und gar nicht verbotenen Früchten der üppigen Vegetation zu naschen? Oder frische Meeresfrüchte aus dem glasklaren Meer zu Genießen, mittels einer Vielzahl an Gewürzen zu unüber trefflichen Gaumenfreuden werden. Wer dazu noch einsame Strände, grüne Parks und duftende. Blüten bevorzugt, sollte per Tragflügelboot oder Fokker auf die Nachbarinsel Lombok hoppen. Das großteils von Musli men bevölkerte Eiland wurde bislang vom Massentourismus verschont und verfugt dennoch über emige erstklassige Hotels und Restaurants.

In Mangsit an der Westküste Lomboks, ca. eine stunde vom Flughafen in Mataram entfernt, wurde die Anlage ,,Alang-Alang” mit traditionellen Bungalows errichtet. Wer genug Kleingeld besitzt, kann sich hier wie Mick Jagger sogar eine eigene 200-Quadratmeter-Villa mit Pool und Privatstrand mieten. Wie im Schlaraffenland fallen die Kokosnüsse direkt vor die Füße. Die tödlichen Geschosse werden allerdings absichtlich von mutigen einheimischen von den Palmen geschlagen, um die Gäste nicht zu gefahrden, und anschließend mit Strohalm versehen direkt an die Sonnenliege serviert. Weitere Appetithappen warten im hoteleigenen Restaurant, das weit über den Ort hinaus bekannt ist. Sogar der deutsche Hoteldirektor des nahegelegenen ,,Senggigi Beach” -Hotels fährt regelmäßig einige Kilometer nach Norden, um sich hier in Mangsit mit den angebotenen Köstlichkeiten zu verwöhnen. Auf der Speisekarte findet man ,,Seafood-Basket” genauso, wie suß-sauren Fisch oder sogar exquisite Pizze, falls man einem Anflug von Heimweh nicht widerstehenkann. Die Rückkehr-Ambitionen halten sich in diesen Breiten allerdings in Grenzen: Malerische Wasserfalle und abwechslungsreiche vulkan Mit etwas Kleingeld wird man an der Westküste von Lombok zu einem Nachbarn von Mick Jagger.

Trekkings, Ausflüge zum Wassertempel Lingsar mit heiligen Aalen und der Naturschutzpark, wo wilde Affen naturliche Straßensperren errichten, gehören zu den vielen Sehenswürdigkeiten von Lombok. Wer von Naturwundern noch nicht genug hat, taucht auf den nahen Gili-Islands in eine faszinierende Unterwasserwelt ein. Auf den unwirtlichen Inseln ohne Süßwasserquellen findet man noch Hippie-Romantik gepaart mit einfachen Unterkünften. Und eine bunte Mischung aus Autraliern, Europäern und wenigen Asiaten, die hier gestrandet sind, um wie Robinson Crusoe eine weitgehen unberuhrt Insel-Idylle zu erleben.

Und die wahre Liebe zu Bali geht immer durch den Magen.
Der Osterricher Werner Ploner ist Zu einer balinesischen Legende geworden.
Mittlerweile ist er Ehrenburger und auf einer Briefmarke verewigt
Wer auf Bali den Strandsucht, ist schlecht beraten. Das Landesinnere ist mehrere Tagesausfluge wert.