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| Mehr als Meer |
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Eine Kulisse wie aus einem Holywoodfilm
: Reisfelder, uppige Parkanlagen, einsame
Strande und ein zur Legende gewordener Österreicher
gehören auf Bali und Lombok genauso zum
Urlaub wie Kokosnüsse und trditionelle
Wellness – Rituale.
Beim Anblick der sattgrünen Reisfelder
bleibt einem die Luft weg und man möchte
nie wieder woanders einatmen.
Wenn er auf seiner Insel durch die Dörfer
fährt, greät die sonst eher stoische
Landbevölkerung in Aufruhr. Wild fremde
Menschen grüßen und winken ihm
freundlich zu. Ein Österreicher, der
inst auszog, um vor den Auswüchsen der
österreichischen justizzu flüchten,
hat hier seine zweite Heimat gefunden. Seine
ungeheure Popularität verdankt der glatzköpfige
Globe trotter einer nahezu 120 jahre alten
Zeichentrickfigur, der er bis aufs nicht vorhandene
Haar gleicht, die seit zehn Jahren zu den
Unterhaltungshits des indonesischen Fernsehens
gehört und Werner Ploner den Spitznamen
,, Pak Raden“ einbrachte. Beliebt gemacht
hat sich Ploner aber auch als Vertreter eines
österreichischen Reiseveranstalters,
indemer 21 balinesischen Mitarbeitern alte
VW – kübelwagen schenkte, die in
einer Kolonne vom Süden aus Zu einer
Sightseeing – Tour nach Zentral bali
aufbrechen. Mit auf den Weg nehmen sie das
Privileg, als einzige Gruppe motorisiert bis
an den Rand des 1.800 Meter hohen Batur- Vulkankraters
Zu fahren. Ein Erlebnis, für das man
zwar wirklich zeitig aus den Federn muss,
aber durch ein Naturwunder und einen wilden
Ritt über Lavafelder entschadig wird.
Mal was anderes. Obwohl die Bilder des Schweden
Richard Winkler bis zu 15.000 Dollar erzielen,
lebt er in einem einfachen Haus in Ubud. Unabhängig
und fern jeder Hektik.
Für seine Großzügigkeit wurde
ploner übrigens von höchster Stelle
zum berühmten Templefest eingeladen,
wo er neben dem Polzeipräsidenten und
dem obersten Priester von Bali in weißer
unterwäsche auftreten musste, um dann
standes – und landesgemäß
eingekleidet zu werden. Zuletztprangte der
frisch gebackene Ehrenbürger sogar auf
einer 1.000 – Rupiah – Sonderbriefmarke.
Heuer wird der ehemalige Regisseur und Schauspieler
übrigens von Filmemacher Peter Patzak
als Film – Hoteldirektor engagiert.
Wer das Glück hat, diesen sympathischen
Mann im Urlaub zu begegnen, wird mit Garantie
in wenigen Stunden mehr über Bali und
seine Nachbarinsel Lombok erfahren als durch
einen fundierten Reiseführer. Auch wenn
ein gebundenes Vademecum auf keinen fall schadet,
um die vielen Sehenswürdigkeiten, die
Indonesien hier zu bieten hat, unter einen
Hut zu bringen. Ein Fixpunkt ist die Stadt
Ubud. 10.000 Einwohner wohnen hier weit weg
vom Meer, und Touristen werden keinen Sandstrand
finden. Dafür umso mehr kunst, denn hier
bildete sich in den 30er-Jahren eine Enklave
von Intellektuellen und künstlern. Der
deutsche Künstler Walter Spies, dessen
wenige Werke heute ein vermögen wert
sind, und der Holländer Rudolf Bonnet
gründeten im Zentrum die Malerschule
Pitha Maha. Die amerikanische Ethnologin Margaret
Mead führte in Ubud Feldforschungen durch
und Vicki Baum wurde hier zu ihrem Buch, Liebe
und Tod auf Bali“ in spiriert. Trotz
aller Kommerzialisierung mit vielen schlechten
Kopien und einer Menge Ramschauf der Monkey
Forest Road, dem Touristenpfad Ubuds, spürt
man doch immer noch die besondere schöpferische
Atmosphäre dieses Ortes. Die Privatsammlung
von Suteja Neka in Campuhan bietet einen guten
Überblick uber die Geschichte der balinesischen
Malerei und die werke ausländischer Künstler,
die hier oft einen Großteil ihres Lebens
verbracht haben. Einer der jungen Generation,
die sich diese reizvolle Gegend als Quelle
der kreativität ausgesucht haben, ist
der 31 jährige Schwede Richard Winkler.
Obwohl seine phantasievollen Gemälde
auf diversen Ausstellungen Preise bis zu 15.000
Dollar erzielen, lebt er mit siner einheimischen
Frau seit vier Jahren in einem not dürftig
adaptierten Haus etwas außerhalb der
Stadt. Nicht luxuriös, aber jedenfalls
besser als die trostlosen Wintermonate seiner
Heimat.
Winklers Ölbilder ähneln jenen des
Art-Deco-Malers Miguel Covarrubias, und es
wäre sicher keine Überraschung,
wenn sie in wenigen Jahren auch international
Furore machen. Einige der farbprächtigen
Phantasiegermälde hängen immerhin
international verteilt in privaten Wohnzimmern.
Auf der kleinen Terrasse vor Winklers Haus,
inhaliert man, mit einerTassetee, wieder dieses
links beschriebene Flair vergangener Zeiten.
Damals, als die Insel kein Urlaubsparadies
war und noch von echten Aussteigern besiedelt
wurde. Man begreift, wieso Winkler diese Einsamkeit
liebt, und beneidet ihn um seine Unabhängigkeit
und Losgelöstheit von jeglicher Hektik,
die einen schon ein paar Kilometer weiter
südlich wieder eingeholt hat. Aber so
schnell muss man ja nicht zurück in den
touristischen Ameisenhaufen, wo sich rund
um die Sündenmeile Kuta ein reges Geschäftzentrum
entwickelt hat. Bevor man dort nach den begehrten
Surfer-T-Shirts und Designerschuhen gräbt,
empfiehlt sich noch ein schneller Besuch im
Schönheitssalon von Ibu Nur Wer sich
auf Bali kein einziges Mal in die Hände
erfahrener Masseure oder kosmetiker begibt,
hat närnlich wirklich etwas versäumt.
Gegen die traditionelle javanische Schönheitspflege
nehmen sich herkömmliche Cremes wie Placebos
aus : Auf das Peeling mit Gewürzen samt
Massage und das anschließende Blütenbad
schwören Nurs Klienten, die allein wegen
diesem traditionellen Jungbrunnen regelmäßig
nach Ubud zurückkehren. Wellness wird
auf Bali wirklich groß geschrieben.
Die meisten Hotels sind Spas, wo man wie aus
einer Menükarte und nach Lust und Laune
unter zahlreichen Möglichkeiten der Entspannung
wählen kann. Im Matahari Beach Resort,
das etwas entlegen im Norden der Insel zu
finden ist, kann man sich dern Verwöhntwerden
erst gar nicht entziehen. Im Wasserpalast
der Göttin Parwathi praktizieren einheimische
Frauen Schönheitsrituale, die Haut und
Seele gleichermaßen schmeicheln. Hier
wird nicht einfach nur geknetet und massiert,
hier wird ganzheitliche Harmonie angestrebt.
Die Sukha-Massage ist ganz auf Loslassen eingestellt,
öffnet die Energiezentren des Körpers
und entspannt den Geist durch sanfte Berührungen.
Rubbelkuren mit Reisschrot. Kokosnuss und
Mungobohnenpuder reinigen die Oberfläche,
kühlende Körperpackungen mit Honing,
Kräutern und sinnlichen Ölen versetzen
in einen wunderbaren Trancezustand. Das Nirwana
auf Erden, hier muss es einfach sein. In einer
Schale mit Limonenscheiben werden die Füße
anschließend gewaschen und die Reste
von Kräutern, Heilerde und Öl abgespült.
Die Teezeremonie im Wasserpavillon ist Abschluss
eines Ausfluges ins Paradies, langsam kehrt
man in die Realität zurück und ist
bereit für weitere sinnliche Genüsse.
Was liegt hier näher, als an den ganz
und gar nicht verbotenen Früchten der
üppigen Vegetation zu naschen? Oder frische
Meeresfrüchte aus dem glasklaren Meer
zu Genießen, mittels einer Vielzahl
an Gewürzen zu unüber trefflichen
Gaumenfreuden werden. Wer dazu noch einsame
Strände, grüne Parks und duftende.
Blüten bevorzugt, sollte per Tragflügelboot
oder Fokker auf die Nachbarinsel Lombok hoppen.
Das großteils von Musli men bevölkerte
Eiland wurde bislang vom Massentourismus verschont
und verfugt dennoch über emige erstklassige
Hotels und Restaurants.
In Mangsit an der Westküste Lomboks,
ca. eine stunde vom Flughafen in Mataram entfernt,
wurde die Anlage ,,Alang-Alang” mit
traditionellen Bungalows errichtet. Wer genug
Kleingeld besitzt, kann sich hier wie Mick
Jagger sogar eine eigene 200-Quadratmeter-Villa
mit Pool und Privatstrand mieten. Wie im Schlaraffenland
fallen die Kokosnüsse direkt vor die
Füße. Die tödlichen Geschosse
werden allerdings absichtlich von mutigen
einheimischen von den Palmen geschlagen, um
die Gäste nicht zu gefahrden, und anschließend
mit Strohalm versehen direkt an die Sonnenliege
serviert. Weitere Appetithappen warten im
hoteleigenen Restaurant, das weit über
den Ort hinaus bekannt ist. Sogar der deutsche
Hoteldirektor des nahegelegenen ,,Senggigi
Beach” -Hotels fährt regelmäßig
einige Kilometer nach Norden, um sich hier
in Mangsit mit den angebotenen Köstlichkeiten
zu verwöhnen. Auf der Speisekarte findet
man ,,Seafood-Basket” genauso, wie suß-sauren
Fisch oder sogar exquisite Pizze, falls man
einem Anflug von Heimweh nicht widerstehenkann.
Die Rückkehr-Ambitionen halten sich in
diesen Breiten allerdings in Grenzen: Malerische
Wasserfalle und abwechslungsreiche vulkan
Mit etwas Kleingeld wird man an der Westküste
von Lombok zu einem Nachbarn von Mick Jagger.
Trekkings, Ausflüge zum Wassertempel
Lingsar mit heiligen Aalen und der Naturschutzpark,
wo wilde Affen naturliche Straßensperren
errichten, gehören zu den vielen Sehenswürdigkeiten
von Lombok. Wer von Naturwundern noch nicht
genug hat, taucht auf den nahen Gili-Islands
in eine faszinierende Unterwasserwelt ein.
Auf den unwirtlichen Inseln ohne Süßwasserquellen
findet man noch Hippie-Romantik gepaart mit
einfachen Unterkünften. Und eine bunte
Mischung aus Autraliern, Europäern und
wenigen Asiaten, die hier gestrandet sind,
um wie Robinson Crusoe eine weitgehen unberuhrt
Insel-Idylle zu erleben.
Und die wahre Liebe zu Bali geht immer durch
den Magen.
Der Osterricher Werner Ploner ist Zu einer
balinesischen Legende geworden.
Mittlerweile ist er Ehrenburger und auf einer
Briefmarke verewigt
Wer auf Bali den Strandsucht, ist schlecht
beraten. Das Landesinnere ist mehrere Tagesausfluge
wert. |
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